Projekt Pfotenfreunde
soziales Projekt der Nachbarschaftshilfe ohne Grenzen e.V. IG

Dominanz und Aggression

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"Mein Hund ist so dominant" ist ein Satz, den ich sehr häufig höre oder lese.
Doch was bedeutet er?
Meist ist gemeint: "Mein Hund hört nicht gut und zeigt häufig Aggressionsverhalten."

Doch ist das das gleiche? Was genau ist eigentlich Dominanz?
Unter Hundetrainern gibt es die wildesten Theorien, von der Dominanztheorie bis hin zur völligen Abstreitung jeglicher Dominanz.

Deshalb schauen wir uns die Dominanz mal unter biologischen und psychologischen Aspekten an.

Dazu müssen wir zuerst klären: Was ist Dominanz?

Wikipedia sagt dazu folgendes:

"Unter Dominanz versteht man in der Biologie
und in der Anthropologie, dass die einen Individuen gegenüber den anderen Individuen einen höheren sozialen Status haben, worauf letztere unterwürfig reagieren. Das Gegenteil von Dominanz ist Unterwürfigkeit bzw. Subdominanz.
[...]
Individuum A schränkt die Rechte und Freiheiten von Individuum B ein und gesteht sich selber diese Rechte und Freiheiten zu, was von B akzeptiert wird. Dominanz ist immer beziehungsspezifisch und ist zeit- und situationsabhängig.
"


Dominanz ist also keine generelle Eigenschaft eines Hundes, womit die Aussage "Der Hund ist dominant" erstmal grundsätzlich falsch bzw unvollständig ist.

Außerdem wird Dominanz auf der Beziehungsebene erst durch einen subdominanten Gegenpart erreicht.

Desweiteren ist es wichtig zu sehen, dass Dominanz keine Wertigkeit hat. Dominanz ist nicht generell schlecht oder gut, sie hat auch nichts mit böse oder lieb zu tun und sie bewegt sich unabhängig von Aggression.


Innerartliche Dominanzgesten:

Hunde untereinander kommunizieren über Körpersprache (Mimik, Gebärden und Gesten). So gibt es auch einige Gesten, mit der ein Hund einem anderen vermittelt, dass er bereit ist in ihrer Beziehung den dominanten Part zu übernehmen. Eine der Gesten ist das Pfoten- oder Kopfauflegen auf den Rücken des anderen.


Dominanzverhalten:

Dominanzverhalten ist das, was den dominanten Part ausmacht. Es beschreibt die Verhaltensmuster, mit denen der dominante Part die Entscheidungen trifft, die Ressourcen verwaltet und den subdominanten Gegenpart einschränkt.


Gesunde Dominanz:

Wie bereits geschrieben unterliegt Dominanz erstmal keiner Wertigkeit. Man kann aber durchaus in einzelnen Situationen von positiver oder gesunder Dominanz reden. Gesunde Dominanz liegt immer dann vor wenn die Dominanz klare Verhältnisse schafft und nicht zu Lasten eines Individuums geht.



Dominanz wird auch immer wieder in Zusammenhang mit Aggression gebracht.
Dabei sind das zwei Dinge, die auch völlig unanhängig voneinander funktionieren.

Dominanzverhalten kann durchaus ohne Aggression auskommen.


Aggression an sich kann aus unterschiedlichen Gründen stattfinden, sie kann passiv oder aktiv sein, sie kann in Gewalt ausarten oder körpersprachlich bleiben.
Ebenso wie Dominanz ist auch Aggression nicht etwas grundauf schlechtes.

Konrad Lorenz, der Urvater der Tierpsychologie, schrieb über Aggression folgendes:

"Die positiven Funktionen sind u. a. die Verteidigung des Lebensraumes, das Jagdverhalten, die Sicherung der Rangordnung, die Sicherung knapper Ressourcen und der Schutz der eigenen Nachkommen."


Aggressionen haben eine große Bandbreite. Auch sind sie meist eine Form der Kommunikation.
Sie können deutlich ausdrücken "Das ist meins" oder "Lass mich in Ruhe".

Aggressionen und Dominanz sind also für einen Hund in gewissen Situationen und in gewissem Maß notwenig und wichtig.


Deswegen ist es wichtig, dass wir uns von diesen Pauschalisierungen lösen:
- "Der Hund ist dominant"
- "Der Hund ist aggressiv"
- "Aggression ist böse"
- "Der darf nicht dominant sein"


Wir müssen lernen, Hunde situativ zu beurteilen und zu verstehen.